Was wäre wenn,… Syrien

Seit fast drei Jahren ist Krieg in Syrien. Syrien, einst eine Perle des Orients in welcher Toleranz gelebt wurde. Wie im Libanon, leben dort viele verschiedene Glaubensrichtungen neben und miteinander. Das war so der Alltag in Syrien.

Seit im März 2011 in Daraa Schüler ein Graffiti an ihre Schule sprühen, in welchem sie den Sturz von Assad forderten und danach verhaftet und gefoltert wurden, eskaliert die Lage tagtäglich. Demonstranten gehen 12 Tage lang auf die Strasse und fordern die freilassung der Schüler. Es kommt zu Schüssen und es gibt die ersten Toten.

Bildschirmfoto 2013-12-16 um 09.26.44Dieses Graffiti war der Auslöser des Syrienkonfliktes

Bildschirmfoto 2013-12-16 um 09.27.59Einer der Schüler die gefoltert wurden

Dann begann die Revolution, der Aufstand, der Bürgerkrieg. Inspirierd von sogenannten „arabischen Frühling“, der sich zu einem arabischen Winter verwandelt hat, begehrte das Volk gegen seinen obersten Lehnsherrn auf. Wie sooft, wollte man nicht viel. Man rief nach Freiheit. Freie Meinungsäusserungen, Demokratie und keine Geheimpolizei. Assad schlug jedoch zurück. Einst als Hoffnungsträger bejubelt, wird er nun gehasst. Scheissen auf das eigene Volk ist dann eben eine der roten Linien die man nicht ungestraft überschreitet. Nicht ohne Konsequenzen. Assad war einer derjenigen, der die Islamisten in Syrien verhaftete, folterte und ermordete um so Ruhe zu gewinnen. Da man es einem Menschen nicht äusserlich ansieht, ob er ein Islamist ist, kamen auch viele Unschuldige dabei ums Leben.

Jetzt, fast drei Jahre später, kämpfen die ehemaligen „Rebellen“, also die echten Revolutionäre, gegen die Armee von Assad und gegen die Islamisten. Die Armee von Assad kämpft wiederum gegen die Revolution und die Islamisten und die Islamisten kämpfen gegen die Armee von Assad und die Revolutionäre. Jeder gegen jeden. Ein Krieg ohne Ende, denn jede der Parteien hat eigene Unterstützer. Die einen mehr, die anderen weniger, doch ein Ende wird auf viele Jahre nicht sichtbar. Die EU, die USA, Russland, China, Saudi-Arabien, Iran. Sie alle halten den Konflikt möglichst lange am kochen, weil man mit allem gur daran verdient. In der deutschen Rüstungsindustrie werden Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten, Isarel fühlt sich sicherer solange alle in Syrien mit sich selbst beschäftigt sind und kann seine Politik weiter betreiben ohne das es auffällt und die anderen Staaten versuchen dort ihre Interessen zu verteidigen oder zu erweitern.

Wie könnte es also weitergehen?

Fakt ist, wenn niemand nachgibt, wird es keine Gewinner geben. Wenn die Rebellen akzeptieren das Assad weiterhin An der Spitze bleibt, wenn Assad akzeptiert das er, um an der Spitze zu bleiben, den Forderungen der Rebellen nachkommen muss, dann könnten die Rebellen and der Seite der Armee gegen die Islamisten kämpfen. Dies könnte man vorher durchaus „Vertraglich“ regeln. Russland und China könnten sich auf die Schulter klopfen das sie Assad im Amt sehen, der Westen kann sich auf die Schulter klopfen das Syrien „demokratischer“ wird, Assad kann sich auf die Schultern klopfen das er im Amt bleibt. Verlierer wären nur die, die bereits vorher nicht gerne in Syrien gesehen waren: die Islamisten. Denn in Syrien mussten Frauen weder einen Schleier tragen, durften Auto fahren, Geschäfte machen etc. All das was man von einem freien Staat erwartet.

Von vielen wird Assad inzwischen sogar als das kleinere Übel angesehen, denn wenn man den vielen Videos und Berichten im Internet glauben schenken darf, benehmen sich die Rebellen, und besonders die Islamisten, nicht gerade wie Befreier. Erschiessungen, Enthauptungen, vertreiben von Christen sind nicht immer Gerüchte. Hass auf beiden Seiten scheint immer mehr den rationalen Verstand zu verdrängen.

Im Libanon war es früher nicht viel anders. Dennoch hat man es geschafft etwas Ruhe reinzubringen und so einer ganzen Generation ermöglicht in Frieden aufzuwachsen. Diese Generation, nennen wir sie einfach Facebook-Generation, will das was alle wollen: Ruhe und Spass. Doch auch hier gibt es noch die alte Generation, die versucht immermal wieder die alte Feindschaft wieder auszunutzen indem sie Bomben zündet, Anschläge verübt und fleissig Propaganda betreibt. Doch selbst hier hat es die Hisbollah nicht mehr so leicht Nachwuchs zu finden. Zu schön ist doch das Stressfreie Leben. Oder war es, bis der Krieg in Syrien ausbrach. Seitdem fliehen sie zu hunderttausenden in den Libanon und ein Ende ist nicht in Sicht. Trotzdem ist die Lage hier doch recht ruhig, auch wenn es unter den Libanesen doch recht viele gibt, welche die Syrier hassen.

Libanon, bis 2006 von Syrien militärisch besetzt, musste einiges über sich ergehen lassen was dann zu der Zedernrevolution führte. Syrier die Libanesinnen vergewaltigten, plünderten und sich hier aufführten wie die Herren im fremden Haus, müssen jetzt hier im Libanon selber um Hilfe fragen um zu überleben. Das es wegen der großen Menge an Syriern noch nicht zu Ausschreitungen gekommen ist, zeigt wie tolerant und hilfsbereit die Libanesen sind. Selbst den ehemaligen Feinden hilft man wenn diese in Not sind. So werden selbst die Grenzen nicht dichgemacht und jeden Tag können so 5.000-10.000 Syrier hierher fliehen.

Das Russland, China, der Westen, die USA und die arabischen Staaten eine so einfache Lösung wie oben erwähnt nicht anstreben, könnte mit dem gewaltigen Erlösen zusammen hängen die man mit Konflikten dieser Größenordnung machen kann. Bezahlt vom Steuerzahler, Bezahlt von Euch. Es gibt keine Unschuldigen in diesem Konflikt. Selbst ein Bauer in Meckelnburg-Vorpommern trägt eine, wenn auch sehr kleine, Mitschuld. Das verleugnen, das sich herausreden, wird daran nichts ändern. Die Strassen dieser Welt sind groß und breit genug für Proteste und Demonstrationen doch sie bleiben solange aus bis man selber betroffen ist. Und im März 2011 ging es in Syrien auch sehr schnell bis es eskalierte.Warum sollte man jedoch als deutscher den Syriern helfen? Die sind doch so weit weg? Und ausserdem haben wir ja selber viele Probleme!Nun, das ist eigentlich ganz einfach: Weil jeder irgendwann einmal Hilfe braucht! Weil es menschlich ist. Weil wir nunmal eine Welt sind. Weil wir gerne in andere Länder reisen. Das heisst, solange diese noch Sehenswürdigkeiten haben die nicht zerstört sind. Wollen wir das erst erkennen wenn nichts mehr steht was man sich anschauen kann? Dann bleibt uns nur noch das Sofa und Bilder aus dem Internet mit den Erinnerungen an längst vergangene Zeiten.Wenn es also den Staaten nicht gelingt zu helfen, dann müssen wir es selber tun. Es ist auch nie die ganz große Hilfe die asuschlaggebend ist, es ist das Zeichen das man Menschen in Not nicht alleine lässt, das man an Sie denkt, für sie da ist wenn die großen Hilfen ausbleiben. Den Syriern die auf der Flucht sind, ob sie nun Pro oder Contra Assad sind, zu helfen, ermöglicht es ihnen ihre Menschenwürde zu behalten.

Menschenwürde ist das, womit jede Partei wirbt. Selbst die Piraten, die, leider, nur Politik mit Flüchtlingen betreiben, anstatt aktiv zu werden. Wenn die Syrier eines Tages wieder zurück in IHR Land gehen, und das werden sie, denn es ist nunmal deren Heimat und die deren Eltern, dann sollen Sie das in Würde tun. Sie werden Ihr Land wieder aufbauen und dann werden sowohl Syrien, als auch der Libanon wieder erblühen und die Welt willkommen heisen. Denn beide Länder sind eigentlich wunderschön und voll mit netten und freundlich gesinnten Menschen die, aufgrund ihrer Erziehung, einer Ideologie erlegen sind.

Doch auch hier wird es eines Tages eine Generation geben die Gewalt nicht mehr kennen wird, die einfach nur mit ihrem Handy im Internet surfen will und Menschen aus aller Welt treffen will….und vielleicht werden dann die, die geholfen haben, neue Freunde finden die einem helfen können die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mein eigenes denken hat sich, seit ich im Libanon bin, dramatisch verändert. Und seit ich bei den Syrischen Flüchtlingen bin und ihnen helfe so gut ich nur kann, weis ich, das helfen etwas in einem verändert. Zum guten hin. Es ist nicht mit den Bildern im Internet zu vergleichen, es war das sehen, das echte Elend was verändert. Was einen Denkprozess einsetzen lässt der einen dahingehend verändert, das man erkennt was man alles besitzt was man aber doch nicht braucht. Das man glücklicher ist wenn man Menschen, die man nicht kennt, ein klein wenig Würde lässt, Sie nicht betteln müssen für etwas, sondern das man einfach Hilft. Das macht einen moralisch soviel stärker.

Nein, ich werde nicht weiter um Spenden fragen, denn die meisten sind noch nicht soweit fremden Menschen zu helfen. Viele haben es jedoch schon getan, wofür ich und die Flüchtlinge hier wirklich SEHR dankbar sind. Jedoch muss ich trotzdem sagen, das ich wohl etwas enttäuscht bin. Traurig machen mich die Zweifel von einigen wenigen und Nicht Helfen von vielen die es könnten. Vielleicht weil viele denken, es ist ja nur eine weitere Weihnachtsaktion. Doch Weihnachten fällt nunmal in den Winter der hier hart und streng ist. Diese Woche ist ein Mann in dem Camp gestorben. Ich kannte ihn. Ich habe ihm vorher merhmals die Hand geschüttelt. Einer von hunderttausenden, doch einen den ich persönlich kannte. Viele kennen mich und sind doch nicht bereit Grenzen zu überschreiten. Viele schreiben im Internet ihren Frust und ihren Protest aus, doch das ändert HIER gar nichts.

Die Strassen sind breit und groß genug. Doch leer von Protesten. Aber voller Konsumenten.

Weihnachten war für mich noch nie sonderlich ein Fest der Freude, aber dieses Jahr bin ich einfach nur traurig.

http://www.pledgebank.com/bekaarefugeecamp/

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