Ein iPad für 200 Leute!

Wer von euch jetzt daran denkt, das man ein iPad einfach mit 200 Leuten teilt, der irrt sich. Ich habe heute meines verkauft um von dem Geld nochmals Winterkleidung für die Syrischen Flüchtlinge hier in dem Camp zu besorgen. Mein schönes iPad. Aber es war es wert!

Nachdem ich gestern gesehen habe wie viel man für 300$ an Wintersachen hier bekommt, fiel mir die Entscheidung recht schnell. Kurz rumgefragt wer eines haben möchte und schon war es weg. Gleich zu dem Freund von Gestern gegangen und angefangen die Sachen zu packen. Gut für ihn, denn sein Laden war danach fast leergeräumt. Inzwischen fing es wieder an mit schneien. UND WIE! Holly fuckin Shit!

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Diesmal packten wir hauptsächlich Babysachen ein, denn die Babys dort sind häufig nur in eine Decke eingewickelt. Das muss reichen, denn es hilft hier sonst kein Schwein. Also, Strampler eingepackt, Decken, Handschuhe für die kleinsten, Mäntel und Jacken für die Frauen, Strümpfe etc. Das Auto war dann auch irgendwann vollgepackt bis oben hin.

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Dann ging es auch schon los in das Camp. Immer wenn die jetzt den schwarzen Mercedes mit dem weissen Kotflügel ankommen sehen (hatte im Sommer nen Crash) kommt gleich das ganze Lager angerannt weil man inzwischen weis das es wieder was zu verteilen gibt. Scheint sich recht schnell herumzusprechen. Dann bildet sich in Sekunden eine grosse Traube um das Auto die schon das aussteigen fast ummöglich macht. Da muss man dann schonmal etwas rapiader werden um sich durchzusetzen. Aber plündern oder ähnliches tun die nicht. Nur mit Schlange stehen hat man so Probleme, denn keiner will zu kurz kommen, weil einfach alle frieren und jeder von allen was braucht. Leider war auch diesmal nicht für alle was dabei. Denen das beizubringen ist nicht immer einfach. Jeder fühlt sich bedürftiger als die anderen. Man kämpft ums nackte Überleben. Aber Angst das man in der Masse zerfleischt wird braucht man keine zu haben. Sie zeigen alle brav ihre Pässe vor in welchem steht wieviele Kinder sie haben um möglichst etwas abzubekommen. Das ich von keiner Organisation komme bei der man sowas machen muss, scheint denen mehrheitlich egal zu sein. Da schlägt wohl die Macht der Gewohnheit zu.

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Aber es immer wieder schön wie glücklich sie dann doch immer wieder sind, das jemand an sie denkt, der es eigentlich nicht müsste und das sie etwas bekommen haben. Das es dann auch noch NEUE Sachen sind und keine gebrauchten und verschlissenen, krönt deren Tag wenistens etwas. Bin dann auch zum Tee in einem Zelt eingeladen worden. Naja, eigentlich sollte ich überall was trinken kommen. So war mir dann auch mal ein Einblick in das innere vergönnt. Was soll ich euch sagen: Da ist nichts drinnen bis auf Tepiche, die man geradeso sauber halten kann, wenn man den Schlamm davor bedenkt, ein Ofen und, wer Glück hatte, Matrazen. Ansonsten schläft man auf einfachen Decken auf dem, glaubts mir einfach mal, ARSCHKALTEN Boden!

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Diesmal bin ich mit dem Freund über eine Stunde dort geblieben und haben uns einmal in Ruhe so angehört woran es am nötigsten fehlt. Es ist wirklich einfach alles. Alles was man sich so vorstellen kann. Da ist einfach nichts was man hat. Kleidung, Medizin, Essen. Und doch bieten Sie einem an zu bleiben. Unglaublich.

Die Kids dagegen hatten heute ihren Spass. Meinten mich andauernt mit Schneebällen bewerfen zu müssen gg Zum Glück für mich gab es welche die MIR Schnellbälle bauten mit denen ich mich verteidigen konnte! Und ich habe mich gewehrt! gg

Was sollen sie auch sonst tun? Schule gibt es ja nicht und eine Playstation hat hier keiner. Wie auch, so ohne Strom.

Und da kommt das nächste was ich jetzt vorbereite und dabei Cheffes Unterstützung bekomme: Eine kleine Schule in seiner, doch recht großen Garage. Da ist genug Platz für 20-30 Kids. Von dem Freund eine Bekannte ist Lehrerin, genauso wie ein Bekannter, der hier am Haus mal gearbeitet hat. Beide werden die kleinen Windelscheisser dann im nötigsten Unterrichten. Lesen, Schreiben, Rechnen. Was halt das wichtigste im Leben ist. So werden die dann tagsüber im trockenen und warmen sein und auch mit warmen Essen versorgt werden.

Also langsam fängt helfen an richtig Spass zu machen. Mehr als es ein iPad jemals hätte schaffen können.

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5 Kommentare zu “Ein iPad für 200 Leute!

  1. Ich bin tief beeindruckt. Du machst uns vor, wie einfach helfen ist. Und ich denke, dass wir die Hilfe gar nicht richtig einschätzen können. Ich hab mir zumindest in keinem Flüchtlingslager ohne allem einen Winter meinen Arsch abgefroren. Ich jammere ja schon wenn ich morgens durchgefroren im Büro ankomme.

    Danke Frank!

  2. Wenn Elend ein Gesicht und einen Namen bekommt, also wenn es persönlich wird, dann kann man sich nicht mehr in Ausreden verzetteln. Beschämend ist, das auch Hartz4 Empfänger etwas gespendet haben. Das immer die Ärmsten am meisten den Ärmsten spenden müssen, weil die, die genug haben, niemals genug haben werden, kaum was rausrücken, scheint ein Merkmal unserer Gesellschaft zu sein.

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