Ein Botschafter, eine Botschaft und kein Inhalt

Heute war der deutsche Botschafter im Libanon bei uns im Dorf. Kamed El-Laouz ist wirklich nur ein Dorf. 5.000 Einwohner, in weniger als 5 Minuten ist man durchgefahren und es beherbergt 11.000 registrierte syrische Flüchtlinge. Der Botschafter hatte sich für 10:30 angemeldet und kam auch pünktlich. Deutsche Pünktlichkeit wird eben auch fern der Heimat gepflegt. Nach der obligatorischen Begrüßung durch den Bürgermeister, der in seiner Rede auf die Situation der Flüchtlinge hinwies und die enge Zusammenarbeit der deutschen, speziell den Archäologen der Uni Freiburg, die jeden Sommer hier Ausgrabungen machen, betonte, war der Botschafter dran.
Wie alle Politiker folgten viele Worte und keine Inhalte. Deutschland tue ja schon sehr viel um zu helfen und habe ja schließlich schon 20.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, die Visaabteilung der Botschaft arbeite auf Hochtouren und nehme ja täglich weitere Flüchtlinge auf. Jetzt muss man immer wieder betonen das der Libanon in etwa die Fläche von Hessen hat, jedoch mehr als 1 Million syrische Flüchtlinge aufgenommen hat. Da erscheinen die 20.000 die sich in Deutschland aufhalten vergleichsweise nur noch peinlich.
Unangenehm überrascht war er von den knapp 100 Gästen aus dem Dorf die dem Besuch beiwohnten und natürlich auch fragen hatten. Auch unangenehme. Geplant war lediglich nur ein kleines kurzes treffen und Gespräch mit dem Bürgermeister hier, was sich aber hier nicht durchsetzen lies. In dem kleinen Dorf hier kennt jeder jeden und irgendwie ist alles eine Familie.
Ein paar Syrier wollten ihm ein Lager zeigen damit er sich Vorort ein Bild über die Lage, besonders jetzt wo der Winter vor der Tür steht, machen sollte. Auch sollte er ein Krankenhaus besuchen, doch all das lehnte er ab, weil er sich sichtlich unwohl dabei fühlte. Deswegen war er ja nicht gekommen. Weswegen genau er überhaupt gekommen ist, steht immer noch offen im Raum.
Es war einer dieser völlig nutzlosen Pflichtbesuche die Diplomaten so machen müssen um ihre Kosten zu rechtfertigen.

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Der deutsche Botschafter im Libanon: Christian Clages

Nach 24 Minuten war dann auch schon wieder alles fertig und er fuhr von Tannen. Zurück nach Beirut wo es doch angenehmer ist und man sich weniger unangenehmen fragen stellen muss. So blieb also keine Zeit mit ihm über meine Projekte zu reden die ja auch irgendwie was mit humanitärer Hilfe zutun haben. Ideen wie man ganz einfach und langfristig Flüchtlingen hier das Leben vereinfachen kann. Es liegt offen das das Interesse zu helfen nicht unbedingt im deutschen Interesse ist, wenn man sich dafür keine Zeit nimmt, obwohl es logisch ist, das, wenn man denen hier Vorort hilft, weniger nach Deutschland kommen. Bedenkt man, das die Lebenshaltungskosten in Deutschland um ein Vielfaches höher liegen als hier, so kommt einem denkenden Menschen doch als erstes in den Sinn das man mit dem Geld hier viel mehr Menschen helfen kann als in Deutschland.
Ich mag Politiker nicht und mache da auch keinen Hehl draus. Sie sind weder einer Überzeugung erlegen, noch in irgendeiner anderen weise nützlich, sie sind austauschbar wie Batterien. Der Lebenslauf des Botschafters zeigt dies auch deutlich.

Ich selbst werde das Gefühl nicht los, das man absichtlich hier Not und Elend unterstützt, damit möglichst viele nach Deutschland oder die EU wollen um dann dort mit denen Politik betreiben zu können. Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes wird ja so einiges über den Libanon geschrieben von dem ich lediglich eines bestätigen kann: die aggressive Fahrweise der Libanesen. Es wird regelrecht Panik und Angst verbreitet. Will man das keine Touristen hierher kommen? Tourismus ist nunmal eine gute Einnahmequelle für Devisen. Und die kann der Libanon gut gebrauchen. Doch das fördern falscher Informationen über den Libanon ist nicht gerade dienlich, es sei denn, man vermutet sein System dahinter. Dabei lieben die Libanesen die deutschen und Deutschland mehr als andere Länder. Doch die Art und Weise wie diese mit dem Libanon und seinen Problemen umgehen sind nicht gerade eines Freundes würdig. Und das ist es was heute wieder betont wurde: Die Freundschaft.
Ich habe von Oma gelernt das sich Freunde helfen. Und das ohne die Hilfe aufzuwiegen. Was genau man dabei vom Libanon erwartet liegt nach wie vor im Dunkeln der Politik. Und das Politiker nie mit der Sprache rausrücken habe ich heute wieder erleben dürfen.

Deswegen kann ich nur eines empfehlen: kommt selber einmal her und macht euch euer eigenes Bild. Es wird ein anderes sein, als was man euch erzählt. Ihr werden überrascht sein. Angenehm überrascht. Und dann erzählt das Bild weiter. Damit ist mehreren Menschen geholfen als es Politiker könnten.

Ihr könnt auch Botschafter sein. Vielleicht sogar ein besserer als die echten.

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