Proletarier aller Länder, ihr seid zu blöd euch zu vereinigen!

Als Karl Marx das Manifest schrieb, prägte er den Satz „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“. Und trotz schlechterer kommunikationsmöglichkeiten in dieser Zeit, hatte sich die Internationale Arbeiterbewegung besser organisieren können. Jedenfalls besser als sie es heutzutage tun. Generalstreiks gab es in jenen Tagen mehrere. „Die da oben“, so nenne ich die Personenkreise welche die Geschicke der Menschheit größtenteils in von ihnen beliebige Bahnen lenken, haben aus dieser Zeit viel gelernt. So haben die Väter unseres Grundgesetzes ein Generalstreikverbot in das Grundgesetz eingebunden. Dies soll ein komplettes lahmlegen der Gesellschaft verhindern und man hat bessere Möglichkeiten die Arbeiterklasse gegeneinander auszuspielen. Nord gegen Süd, Ost gegen West, Land für Land wir so gegeneinander aufgebracht. Die früher so mächtigen Gewerkschaften hat man zu Lämmern degradiert, ihre Führungen mit Geld und Karriere gekauft und trotzdem glauben die Arbeiter noch an ihren Einfluss bei Verhandlungen. Stattdessen stehen die Ergebnisse von Tarifverhandlungen schon vorher fest, während die restliche Zeit Sekt geschlürft und auf den Erfolg angestoßen wird. Man fragt sich tatsächlich welchen Einfluss ein paar hunderte Angestellte, also der Rest einer durchschnittlichen Belegschaft, noch haben wenn sie einen Betrieb bestreiken. Lediglich bei der Bahn, Fluggesellschaften oder Busunternehmen merkt man noch das etwas still steht. Aber ansonsten ist von einer internationalen Arbeiterbewegung nicht mehr viel übrig außer der Erinnerung an die frühen Jahre.
Der Umzug von Nokia von NRW nach Bulgarien zeigte wie diese zusammenhält. Der Druck und die Not der Arbeiter macht es möglich. Statt dass die Bulgaren sich geweigert hätten für Nokia zu arbeiten und die Arbeiter aus NRW Solidarität gezeigt haben, hat man die Chance auf einen Broterwerb genutzt. Schließlich muss der Magen ja mit etwas gefüllt werden. Den großen Zusammenhang haben beide nicht verstanden und erkannt. Subventioniert durch Steuergelder wurde Nokia zuerst nach NRW gelockt und als diese dann ausblieben wurde der Umzug beschlossen. Natürlich in ein Land das ebenfalls Subventionen bereitstellt. Dieses Verfahren hat sich bei vielen Unternehmen rumgesprochen: BenQ ist so eines.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte ein Spruch den Arbeitskampf: „Alle Arbeit stehet still, wenn des Volkes Arm es will!“. Doch das arbeitende Volk ist abgelenkt. Es will nicht stillstehen, es will nicht verzichten, es will alles das haben, was die Werbung einem verkauft. Ohne nachzudenken, ohne vorauszudenken, rücksichtslos. Ich möchte euch dazu einmal wieder eine Geschichte erzählen die ich vor ein paar Jahren bei einer Firma erlebte.
Ich arbeitet damals als Schweißer bei der Krefelder Firma VOITH PAPER. Zusammen mit mir arbeitete ein Leihschweisser aus der Ukraine an Teilen für riesige Papiermaschinen.

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Irgendwann, um meine grenzenlose Neugierde zu befriedigen, unterhielten wir uns so über privates. Ich mache das immer gerne, schon um denen auch andere denkweisen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Er selbst kam aus Wesel und fuhr jeden Tag mit seiner neuen E-Klasse bis nach Krefeld. Fing immer um 7 Uhr an und arbeitete bis 17:30. Also ein normaler 10h Tag wie ihn viele haben. Erinnert sich noch einer an die Streiks für eine 35h Woche? Lang ist es her. Hin und wieder machte er noch einige Überstunden, weil er das Geld für sein Haus brauchte. Irgendwie erkannte ich sofort den Wahnsinn und sagte ihm das dann auch.
Wie kann man nur als Leiharbeiter, der eh nur 10,80€ in der Stunde verdient, sich eine neue E-Klasse kaufen die dann sechs Tage in der Woche 10-12 Stunden auf dem Firmenparkplatz steht, mit der man dann zwei Stunden auf der Autobahn unterwegs ist und die dann 10h vorm Haus steht? Als ich dann fragte, wieso er sich nicht einen gebrauchten Golf oder was ähnliches billiges holt und so Geld spart, denn die monatliche Rate für den Mercedes betrug 480€! Schließlich müsse man das Geld für den Mercedes nicht erarbeiten, müsste keine Überstunden mehr machen, wäre früher Zuhause und hätte mehr Zeit für Familie und Kinder, von denen er drei hatte. Er meinte nur, das es schon immer sein Traum gewesen wäre einen Mercedes zu fahren. Außerdem bräuchte er ein großes Auto für seine Familie. Meine Erwiderung das das Auto ja doch nur ungenutzt rumsteht, entweder vor der Firma, im Stau oder vorm Haus, wurde irgendwie nicht ernst genommen.
Durch seine Konsumgeilheit, war er gezwungen im Monat knapp 250 Stunden zu arbeiten. Zuschläge durch Überstunden wurden bereits in das Haushaltsgeld eingerechnet und irgendwann als normal angesehen, nicht als Ausnahme. Ich versuchte ihm zu erklären, das, wenn drei Arbeiter auf Überstunden verzichten würden, man einen neuen Arbeitsplatz schaffen könne. Das, wenn er Überstunden mache, anderen die Chance auf Arbeit nimmt und am Ende trotzdem in Form von Abgaben und Steuern diesen dann trotzdem mit finanzieren muss. Er müsse also ständig immer mehr arbeiten und das wahrscheinlich den Rest seines irdischen Lebens.
Jetzt werden sicher viele meiner Leser meinen, einen neuen Arbeitsplatz schaffe man nicht indem man auf Überstunden Verzichte. Doch genau das würde geschehen wenn die Arbeiter zusammen halten würden. Wenn man kurzfristig etwas Verzicht übt um langfristig mehr zu haben, denn weniger arbeitslose bedeutet auch weniger Arbeitslosenbeiträge. Ich weis, die Politik nimmt auf diese Logik keine Rücksicht. Aber das liegt auch daran was wir wählen.
Ich versuchte ihm auch zu erklären wieso ich es mir leisten konnte nur von 9-15 Uhr zu arbeiten. Schließlich schaffte ich in dieser Zeit, wofür andere 10-12h brauchten. Ich hatte bereits seit 2003 kein Auto mehr und fuhr stattdessen die 7km mit Inlinern zur Arbeit. Jeden Tag. Auch bei Regen. Es machte einfach Spaß, war nebenbei etwas Sport und völlig kostenlos. Dafür bin ich auch gerne auch eine halbe Stunde früher aufgestanden. Ohne Auto sparte ich also Geld, was ich nicht erwirtschaften musste und hatte so viel mehr freie Zeit.

Nun kam es wie es kommen musste: Die Welt war in einer Wirtschaftskrise.

Adler

2010 war es dann soweit. Entlassungen, Kurzarbeit, nix mehr mit Überstunden. Die Firma in der wir damals arbeiteten strich die Überstunden ganz einfach. Und plötzlich, oh welch Überraschung, gab es statt 250h für ihn nur noch 160h. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich konnte mir das Grinsen gerade noch verkneifen. Man konnte auch sagen, das der Markt das für ihn geregelt hatte. Aus dem Mercedes wurde dann tatsächlich ganz schnell ein gebrauchter Astra. Er musste anfangen überall zu sparen. Und ich meine so richtig sparen! Man merkte es ihm auch an, das es peinlich war, zumal ich es genauso habe kommen sehen. Wie kann man auch nur so dämlich sein und Überstunden, die ja nur als Notlösung dienen, fest in sein Leben einzuplanen? Wie dem auch sei, Strafe für Konsumgeilheit muss sein. Solidarität könnt er keine erwarten, denn er selbst war unsolidarisch anderen gegenüber indem er ihnen die Chance auf einen eigenen Broterwerb nahm um seinen Traum von einem Mercedes zu erfüllen.
So ähnlich wird es sicher überall auf der Welt von statten gehen. Ähnliches erlebte ich in Frankreich, in China, in Brasilien, in Holland. Es gibt keine internationale Arbeiterbewegung mehr. Es gibt nur noch Egomanen die an ihr eigenes Wohl denken und dies mit Ellenbogenmanier durchsetzen. Das kurzfristige denken dominiert, während langfristige Solidarität und internationaler Zusammenhalt weichen mussten. Sie wurden zu Störenfrieden im Konsumkampf um das letzte verbleibende Geld. Das denken, man selbst würde nie arbeitslos werden, nie in Armut verfallen hat sich in den köpfen derer festgesetzt, die vermeintlich, über sichere Arbeitsplätze verfügen.
Man glaubt noch an Gewerkschaften, welche Lohnkürzungen akzeptierten nur um Arbeitsplätze zu erhalten. Ob man davon leben kann oder nicht spielt eine immer kleinere Rolle. Muss ja auch, denn in Zeiten der Globalisierung können Unternehmen jederzeit den Standort wechseln und wie Heuschrecken, sich neue Arbeiter aussuchen. Das Herr der willigen, die für einen Hungerlohn arbeiten wächst ja ständig weiter an.
Während diese Unternehmen global agieren, werden diese Rechte den Gewerkschaften abgesprochen. Sie dürfen meistens, wenn nicht sogar nur, regional agieren. Damit hat man ihnen die Möglichkeit genommen gegenüber den Unternehmen Stellung zu beziehen. Bundestagsabgeordnete locken mit Steuererleichterungen um Arbeitsplätze in seinem Wahlkreis zu sichern. Koste es was wolle. Wundert es da noch einen wenn die Schulden der Kommunen ständig weiter steigen? Es sind ja nicht die Schulden der Unternehmen, die sich jeglicher sozialer Verantwortung entzogen haben, es sind die Schulden der Bürger.
Nein, die Proletarier aller Länder Haben sich ihrem Schicksal ergeben und resigniert. Sie haben ihren Biss, den sie noch Anfang des 20. Jahrhunderts hatten, verloren. So wie man im Alter seine zähne verliert, können selbst alteingesessene Gewerkschaften nicht mehr gegen die neue Art von Unternehmen tun. Sie können die Feindbilder, die man gegenüber anderen Ländern aufgebaut hat, nicht entschärfen. So wird eine Vereinigung aller Arbeiter verhindert.

Proletarier aller Länder, ihr seid wirklich zu dumm euch zu vereinigen!

Feiert ihr Euren 1.Mai im Garten mit Bier und Würstchen und vergesst was ich geschrieben habe.

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