Frauen im Libanon, anders als man denkt

Zunächst erstmal zur Klarstellung: Der Libanon ist kein, ich wiederhole, kein islamischer Staat! Man spricht und schreibt zwar arabisch, aber das tun die Christen hier auch. In orthodoxen Kirchen wird auf arabisch gepredigt, gebetet und die Inschriften sind zumeist auch auf arabisch, teilweise auf griechisch. Arabisch zu reden oder zu schreiben ist also kein Zeichen eines islamischen Staates.
Der Libanon ist ein freier, demokratischer Rechtsstaat. Demokratischer und rechtsstaatlicher als es Israel, das sich gerne als der einzige Rechtsstaat im nahen Osten bezeichnet, oder von deutschen Medien als dieser bezeichnet wird.
Zurück zu den Frauen.
Es gibt hier muslimische Frauen die ein Kopftuch tragen, es gibt welche die es nicht tun, welche die es nur zu Gebeten tragen und welche die komplett darauf verzichten. Dies ist einzig die Entscheidung der Frau. Ohne Zwang. Sie tun es weil sie es wollen und nicht müssen. Es gibt sogar Männer die ihre Frauen gerne ohne Kopftuch tragend sehen würden, doch die Freiheit es tun zu können wird auch von von den Männern akzeptiert. In der Familie hier wo ich lebe gibt es Geschwister wo die eine eines trägt, die andere nicht. Alles ist ok.
Ja, die Küche gehört den Frauen. Aber nur weil sie wirklich lecker kochen können und, fast wortwörtlich, Männer es einfach nicht drauf haben. Versucht man ihnen dabei zu helfen, also ganz Gentlemen like, bekommt man einen auf die Finger. Es ist IHR Terrain. Sie mögen es die Männer, die eigentlich lieber nur diskutieren, zu verwöhnen. Bedienen ist ganz sicher der falsche Ausdruck. Mir selbst macht es Spaß mit in der Küche, wie gerade jetzt beim schreiben dieses Artikels, zu sitzen und zuzuschauen wie Gerichte entstehen. Man sitzt gemeinsam zusammen, redet, trinkt Kaffee (den gibt es immer ohne Anlass den ganzen Tag über) und bereitet das Mahl vor. Alleine das zuschauen ist schon immer ein Gedicht wert. Dazu wird geraucht, ja auch Kopftuch tragende Frauen rauchen, Früchte gegessen, die es auch immer und jederzeit gibt und die ständig in der Küche rumstehen und, wie es Frauen auf der ganzen Welt tun, geklatscht und getratscht gg. Einfach schön dabei zu sein.
Im übrigen, und das bekommt man als Tourist sicher nicht mit, denn man muss schon in einer Familie leben um es zu sehen, aber während die Männer außerhalb den Mund immer aufreißen, männlich eben gg, werden sie zuhause meist ganz kleinlaut. Zuhause hat die Frau die Hosen an und Eier genug um das auch zu zeigen. Eine Frau zu schlagen, wie es deutsche Medien so gerne darstellen, würde sich hier kein einziger Mann trauen. Man merkt tagtäglich den Respekt ihnen gegenüber. Jugendliche respektieren genauso die alten wie es sich eigentlich gehört.
Frauen können hier jederzeit, auch mitten in der Nacht, vollkommen alleine dunkle Straßen langgehen ohne Angst haben zu müssen vergewaltigt oder entführt zu werden. Würde jemand hier sowas tun, er würde gesellschaftlich geächtet werden und die Familie würde dafür sorgen das er es nie wieder tut.
Sie werden hier als das geachtet für das was sie tun. Kinder gebären, großziehen, den Haushalt schmeißen, die Männer am Leben erhalten. Ohne die Frauen, und das wissen die Männer ganz genau, wären sie aufgeschmissen. Selbst nach dem Tode des Mannes sind die Frauen und Kinder abgesichert, so wie es im Quran steht.
Man kann es wirklich so sagen, hier werden die guten Seiten des Quran gelebt.
Auch das Zusammenleben mit anderen Religionen klappt problemlos. Muslimische Frauen gehen mit christlichen aus, feiern, trinken zusammen, lassen ihre Kinder zusammen spielen. Alles ohne große Probleme.
Es gibt keine speziellen Ärzte nur für Frauen, sehen wir mal von Gynäkologen ab, sondern werden von Männern, Frauen, Muslimen und Christen besucht. Gerade habe ich eine ältere Dame nach Chtoura zum HNO Arzt gefahren. Ich weis also was ich hier schreibe. Sind alle Sitzplätze besetzt, stehe sogar die Männer auf und geben ihren Platz frei. Muss man wirklich gesehen haben.
Frauen im Libanon sind selbstbewusster als ihre deutschen Pedanten. Sie wissen wie man sich durchsetzt, wissen was sie wollen und sind gebildet. Sie leben die Freiheiten die man hier im Libanon hat voll aus. Auto fahren dürfen sie übrigens ebenso, nicht wie in Saudi-Arabien, wo Frauen ein generelles Fahrverbot haben. Ok, fahren tun Frauen hier genauso schlecht wie in Deutschland gg. Muss man mal so sagen.
Also alles in allem muss man sich als weiblicher Tourist im Libanon keine sorgen machen, braucht sich vor nichts zu Fürchten und kann die selben, und mehr, Freiheiten genießen wie man sie aus Deutschland kennt. Dem deutschen TV und der deutschen Presse kann man tatsächlich nur noch vertrauen, wenn es um die Uhrzeit und das Datum geht. Alles andere was man über den Libanon schreibt ist, milde ausgedrückt, zu oberflächlich und entspricht nicht der gelebten Wahrheit.

Also, wann kommt ihr mal her?

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