Was zur Hölle tue ich hier eigentlich?

Ich habe hier etwas vor. Etwas neues. Etwas großes. Etwas gutes. Etwas das keinem schadet, vielen Menschen ein besseres Leben bringt, keine Kredite und Spenden braucht. Etwas das durchaus das Zeug zu einem Flächenbrand hat.

Ich bilde junge Libanesen und Syrier zu professionellen Schweißern aus.

Klingt an sich recht banal. Und wie kann man das oben genannte jetzt damit umsetzen? Und wieso im Libanon und nicht in Deutschland? Am Ende dieses Artikels werden meine verehrten Leser um einiges klüger sein, vielleicht sogar inspirierter.
Nun, alles fing etwa 1987 in der DDR an. Ich war 14 und die Zeit sich für seinen Berufsweg zu entscheiden war also gekommen. Für mich stand von Anfang fest: Ich will Schweißer werden! Ich will an die „Trasse“ nach Russland! In die Wildnis Sibiriens und Rohrleitungen schweißen! Da gab es nichts daran zu rütteln! Ich wollte das, ich machte das. Ganz einfach.
So fing meine Ausbildung 1989 in Leipzig an. Mitten in der Revolution. Recht schnell wurde uns dann klargemacht: nix mehr Trasse, nix mehr Russland. Unsere Firma wurde von einer Westfirma aufgekauft, weil die ja soooooviiiieeel besser sind als ostdeutsche. Dabei war die Schul- und Berufsausbildung im Osten um einige Faktoren besser als die des Westens. Nun konnte ich aber sagen, das ich beides mitgemacht habe, auch nicht übel. Trotzdem war die theoretische Ausbildung des Ostens besser und ich hatte ein Händchen zum schweißen. Schon früh wollte ich immer der beste darin sein. Alles darüber wissen, alles können. Jedes Verfahren, jedes Material. Hauptsache schweißen und das ganze noch perfekt. So zog ich also, dank der Wende, zuerst durch ganz Deutschland und später durch ganz Europa um überall mal gearbeitet zu haben und von jedem was zu lernen. Und ich lernte schnell und viel. Neue Techniken, neue Verfahren, neue Leute, neue Sprachen. Ja, heute kann ich sagen: ich bin verdammt gut darin. Bis halt irgendwann ein Tag kam an dem ich nichts neues mehr von anderen Schweißern lernen konnte, weil ich Top war. Das war so 2004. 1996 machte ich mich dann jedoch erstmal selbstständig und gründete euroweld – european welding and quality services, meine eigene Firma. Ok, ein Ein-Mann-Unternehmen. Aber der Name klang gut und den trage ich noch heute, weswegen auch viele meinen, es sei ein Schreibfehler, denn Welt schreibt man mit „t“. Aber es waren gut angelegte 20DM Bearbeitungsgebühr beim Ordnungsamt. Nach 5 Minuten war es dann fertig.

20131105-204824.jpg

Von da ging das Geldverdienen los. Anfangs noch mit 39DM/h, lieh ich mir einen Monat später eine Schweißmaschine aus und verkaufte mich dann mit „eigenen Geräten“ für 44DM/h. So sprang ich dann von Firma zu Firma und lernte alles: Kranführerschein, Materialprüfungen… Alles was man nur lernen konnte. Jedes Wissen mehr brachte dann auch immer mehr Geld in meine Kasse. Für Firmen ist dies eine einfache Logik: Stelle besser einen ein der alles kann, als viele von denen jeder nur etwas kann. So bleibt die Gesamtverantwortung in einer Hand und man kann den Schuldigen besser ausfindig machen falls was schief geht. Aber ich war so arrogant das ich mich ohne Probleme immer weit aus dem Fenster lehnen konnte. Ich weckte immer bei den Firmen große Erwartungen was ich so alles könne und habe diese dann immer noch übertreffen können. Zack, hatte man den Auftrag.
Ja, ich war ein richtiger Kapitalist wie aus dem Lehrbuch. Geld, wegen nichts anderen machte ich das alles.
Ok, eine anständige Ader hatte ich schon immer gehabt, was ich der Erziehung meiner Oma zu verdanken habe, weswegen ich auch immer Freunden aus der Patsche geholfen hatte und dies auch noch heute tun MUSS, weil es irgendwie ins Blut übergegangen ist und auch um meine Oma in dieser Weise zu ehren, ansonsten wäre ihr Leben quasi umsonst gewesen wenn ihr wissen nicht irgendwie weitergegeben und angewandt würde. Aber es hielt sich in Grenzen. So hatte ich zuerst einen dicken Volvo, eine riesen Wohnung, das neueste vom neuen und alles Cash bezahlt. In Holland kaufte ich mir ein Haus und genoss das Leben in vollen Zügen. Auf dem Dachboden baute ich Cannabis an ohne selber zu rauchen. Aber da faszinierte mich diese Pflanze, die für mich nie eine Droge war, sondern immer nur eine schöne edle Pflanze. Viel verdient hatte ich damit nicht obwohl es 150 Pflanzen waren. Aber ich legte wert auf Qualität und die war perfekt. Man riss es mir schneller aus den Händen als es nachwuchs.
Warum das wichtig ist? Dazu später.
In Holland haben mich dann ein paar Schicksalsschläge wieder in eine andere Bahn meines Lebens gehauen und über Umwege von Düsseldorf landete ich in Krefeld. Dort, obwohl militanter Nichtraucher, fing ich ganz bewusst an mit kiffen.
Und tatsächlich veränderte sich mein Leben. Mein denken. Und das nicht zum schlechten hin, sondern zum besseren. Ich wurde ruhiger, nachdenklicher und suchte nach dem Sinn meines Tuns, dem Sinn des Lebens.
Dann, eines Tages, ganz genau weis ich es auch nicht mehr, kam ein Freund zu mir und zeigte mir einen Film. 120 Minuten die mein Leben dramatisch verändert haben und mein Leben wieder in eine neue Richtung lenkten.
Zeitgeist – Addendum
Erst durch diesen Film lernte ich, das die Welt anders ist als man denkt. Von da an ging alles schlag auf Schlag. Ich lernte das Venus Project kennen, die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen und ich war begeistert von diesen Ideen: Eine Welt ohne Politik, ohne Armut, ohne Verschmutzung, ohne Kriege. Die Technologie macht es möglich. Wenn sie denn in den richtigen Händen ist und richtig angewandt wird.
Ein Spruch aus diesem Film blieb für immer hängen: „Menschen werden nur noch für Arbeiten gebraucht, für die es noch keine Maschinen gibt.“
Ich lernte schnell, schneller als gedacht, demütig zu leben, nahm mir in Krefeld eine kleine Wohnung mit 50m2, bin mein Auto losgeworden, fuhr mit Inlinern auf Arbeit oder nahm die Bahn. Nahm mir auch mal eine sehr lange Auszeit und dachte über ein Jahr einfach nur nach und fütterte mein Hirn mit Informationen die sich, dank Cannabis, viel besser verarbeiten liessen. Kurioserweise bekam ich plötzlich viel bessere Arbeiten und viel mehr Geld. In Krefeld fand ich dann ich eine Firma in welcher ich 120€/h verdiente weil ich ca. Viermal schneller und sauberer arbeitete als deren eigene Angestellten. Ich fing an Geld zu sparen.
Ich lernte auch die ersten „Araber“ kennen, eigentlich Marokkaner im Ursprung, aber freundlicher als jeder deutsche der mir bis dahin begegnet ist. Über ihn dann auch „Cheffe“ dessen Haus ich jetzt im Libanon bewohne.
Irgendwann auf den Montagen in Frankreich, China und Brasilien wuchs der Wunsch und die Idee, das gewonnene Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. So kam die Idee einer Schweißerschule.
Auf Arbeit hatte ich auch genügend Zeit über das wie und wo nachzudenken. Welche Werte sollen vermittelt werden? Wen soll ich ausbilden? Wieviele?
Meine Erfahrungen aus Deutschland waren erschütternd. Bürokratisch, kompliziert, teuer. Firmen bilden kaum noch Schweißer aus, weil es zu teuer ist und überlässt dies dem Arbeitsamt, beziehungsweise den Ausbildungsstätten, die haufenweise arbeitslose Maler, Elektriker, LKW-Fahrer oder Tischler in 6 Monaten zu „Schweißern“ „ausbilden. Dort hat ein Ausbilder bis zu 20 Schüler zu betreuen. Bei einem 8-Stunden Tag macht das knapp 20 Minuten für einen Schüler. Diese „Schweißer“ kommen dann mit einer Menge Schweisserzeugnissen zu den Firmen und sagen sie können schweißen. In der Regel dürfen diese Leute gleich wieder nach dem vorschweißen, ja sowas muss man vorher tun, nach Hause gehen. Sie dürfen, dank der Zeugnisse schweißen, können es aber einfach nicht in der Qualität wie von den Firmen gefordert. Zumal jeder dort, in der Ausbildungsstätte, die Prüfung besteht, denn diese bekommen nur Geld vom Amt, wenn die Azubis bestanden haben. Sonst fließt kein Geld. Beschiss und Steuerverschwendung auf der ganzen Strecke.
Also kam ich schnell auf den Gedanken, das zwei Azubis ideal sind. Ich möchte wieder das altbewährte Meister- Schüler-Prinzip anwenden, bei dem man auch eine emotionale Tiefe zu seinen Azubis bekommt und diese defacto ein Leben lang betreut und mit Rat und Tat zur Seite steht. Doch es werden nicht nur Schweisstechnik gelehrt, sondern auch Moral und Ethik, denn wenn ein junger Libanese plötzlich statt 6.000$ im Jahr bis zu 150.000€, oder mehr, verdient kann dies durchaus zu Kopf steigen.
Die Ausbildungszeit wird ca. Zwei Jahre dauern und erst beendet sein, wenn ich sage das sie jetzt schweißen können.
In den ersten beiden Jahren ihrer Tätigkeit fließen 50% des Verdienstes zurück zu mir um die nächsten beiden auszubilden. Dank der Kontakte von „Cheffe“ und mir zu deutschen Unternehmen die weltweit agieren und händeringend professionelle Schweisser suchen, kann man praktisch eine Arbeitsplatzgarantie abgeben. Nach ein paar Jahren können die beiden dann selber in der neugebauten Ausbildungsstätte zwei weitere ausbilden. Den Feinschliff werde ich dann übernehmen.
Es wird legales, sauberes und selbst verdientes Geld in den Libanon fließen um weitere Projekte zu finanzieren.

Die weiteren Projekte

Die Schule hier in dem Dorf besteht aus ca. 300 Kindern die, genau wie in Deutschland, mehrere Kilogramm schwere Rucksäcke mit Büchern tragen müssen. Diese Schule werden wir dann komplett mit Tabletts ausstatten sowie mit dazugehöriger Technik wie Beamer, Solaranlage zum aufladen der Tabletts. Als Gegenleistung müssen die Kids dann einmal im Monat die Straßen vom Müll reinigen.
Die Straßenbeleuchtung soll ebenfalls aus Solar mit LED-Technologie bestehen. Später kommt dann ein offenes, dorfweites WLAN, welches in die Straßenbeleuchtung integriert wird, dazu. Gruß an die Freifunker in Deutschland.
Da im Laufe der Jahre schneller und mehr Geld in das Dorf kommt, als man mit ausbilden hinterher kommt, habe ich auch die Idee hier im Libanon eine soziale Bank zu etablieren bei der die GLS-Bank als Vorbild dient. Minikredite ohne Zinsen, auch bekannt als Islamic Banking, sollen dann Kleinunternehmen fördern und Flüchtlingen helfen nach dem Krieg in Syrien dort wieder Fuß zu fassen.

20131105-203730.jpg

Nachdem ich einmal grob ausgerechnet hatte wieviel Geld in welcher Zeit durch das Pyramidenspiel hereinkommt, kam ich nach bereits 5 Jahren auf über eine Million Dollar. Nach 14 Jahren werden es dann schon 11 Millionen Dollar sein.

Die sechs lebenswichtigsten Dinge im neuzeitlichen Leben.

1. Energie
2. Wasser
3. Nahrung
4. Wohnraum
5. Mobilität
6. Kommunikation

Auf diese sechs Punkte kann man das Leben vereinfacht reduzieren. Nicht mehr und nicht weniger braucht man zum Leben.
Wenn man jetzt 100.000€ richtig investiert, benötigt man später, nachdem es aufgebraucht ist, nie wieder Geld. Man muss keiner Lohnarbeit nachgehen
Zu 1. Solarenergie kostet 10.000€ (iKube F150)
Zu 2. Water From Air (500l/Day) kostet 8.000€, Solarthermie kostet 600€/400l
Zu 3. 1000m2 (Garten 700m2 (Getreide 300m2)) kostet ca. 30.000€
Zu 4. Holz- oder Steinhaus 100m2 Wohnfläche kostet 30.000€
Zu 5. Elektrofahrrad (45km/h, 300km) kostet ca. 2.000€
Zu 6. Smartphone mit Flatrate 100€/Monat

Jetzt hat man alles was man zum Leben braucht und benötigt weiter kein Geld mehr. Man hat Zeit selber Möbel zu bauen. Man hat Zeit sein eigenes Essen anzubauen und zu pflegen. Man hat Zeit seine Kinder aufwachsen zu sehen und selbst zu erziehen. Man hat Zeit für Philosophie. Man hat Zeit für Freunde. Überschuss an produziertem Strom kann billiger an den Nachbarn gegeben werden im Gegenzug für Internetzugang. Überschuss an Eier, Milch und Gemüse können verkauft werden. Nimmt man jetzt einmal Statistiken zugrunde, so benötigt eine Person pro Jahr ca. 300kg Getreide. Bei ca. Drei Ernten pro Jahr macht dies knapp 1t Getreide die auf 300m2 erzeugt werden können. Genug für eine normale Familie. 40 Hühner in unterschiedlichen Altersstufen genügen für tägliche Eier und zum Verzehr. 2 Schafe oder Ziegen für Milch und Unkraut jäten, 10m2 für Maisanbau, 20m2 für Kartoffeln, Tomaten, Blumenkohl, Rotkohl, Gurken, Beeren. 4 Olivenbäume für Öl. Auf 1.000m2 ist genug Platz für den Anbau von Nahrung für die Versorgung einer Familie.

Und alles wird im Einklang des Quran stehen, sodass es recht einfach sein wird.

So sagte Mohammad – Segen und Frie­de seien auf ihm: „Der Glaube hat siebzig Abstufungen, von denen die höchste das Bekenntnis ist, daß es keine Gottheit außer Allah gibt, und die niedrigste darin besteht, einen Gegenstand von der Straße zu entfernen, der jeman­dem Schaden zufügen könnte.“ Damit führte er eine weitere richtungweisende Neuerung ein: die freiwillige Reinhaltung der Umwelt.

So sagte der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Einer, der Schlafen geht, während sein Nachbar hungrig ist, gehört nicht zu uns!“

Was für ein Abenteuer!

Advertisements

4 Kommentare zu “Was zur Hölle tue ich hier eigentlich?

  1. Wenn ich das so lese, fuehlt sich mein taeglich Brot sehr sinnlos an. :-/
    Hut ab, Frank, wenn du das alles so durchziehst. Ach, eigentlich schon jetzt „Hut ab“ fuer das was du bis jetzt schon gewagt hast und dafuer belohnt wurdest. Ich beneide dich fuer den Mut.

  2. Pingback: Time is running out! | euroweld

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s